Schloß Tirol bei Meran
Zeichnungen: für meine Mutter
Zeichnungen im Bergfried zum Leben seiner Mutter und ihrer Geschichte zur Zeit der Option.
Walter Pichler ist Bildhauer. Seine Welt ist das Dreidimensionale. Der ideale Ort für die Umsetzung seiner Ideenwelt ist für den gebürtigen Südtiroler St. Martin im Burgenland, wo Pichler seit vielen Jahren lebt und arbeitet.
Um sich dem Raum oder der Skulptur anzunähern, zeichnet Walter Pichler. „Zeichnen ist für mich aber auch sehr befreiend“, sagt Pichler, bedeute die unmittelbare Notation von Gedanken und Emotionen. „So wie andere schreiben, zeichne ich halt. Ich könnte gar nicht denken ohne zu zeichnen“, bringt es der Künstler auf den Punkt.
Mit schmerzhaften Emotionen sehr viel zu tun hat der Zyklus ganz neuer Zeichnungen, die Walter Pichler im Bergfried auf Schloss Tirol zeigt. Unmittelbar damit haben auch Pichlers Zeichnungen zu tun, in denen er die Geschichte seiner Mutter erzählt. Geschichten, die der 1936 als jüngstes von neun Kindern geborene Künstler zum größten Teil nur vom Hörensagen kennt. Die meisten spielen in der Südtiroler Heimat, einige auch in Telfs, wo die elfköpfige Familie nach der Option lebte. „Das Leben in der Telfer Südtirolersiedlung kam einem Ghetto gleich, jeder Schulweg war ein Kampf“, erinnert sich Pichler.
Worum es Walter Pichler geht, ist, mit diesem Zyklus Wiedergutmachung an dem zu leisten, was an „meiner Mutter verbrochen wurde“. Wobei es für den Künstler wichtig ist, dass diese Zeichnungen nicht nur für das Schicksal seiner Mutter stehen, sondern für das unzähliger Frauen ihrer Generation, denen ganz Ähnliches widerfahren sei.
In rund 30 Sequenzen erzählt Pichler diese Geschichten, auf ganz kleinen Blättern und sehr großen. Nur leicht mit Bleistift hingehaucht oder in expressiver Wucht opulent farbig zelebriert.
Jedes der Blätter erinnert an eine ganz spezielle Begebenheit. In einer klammert sich etwa die Mutter mit aller Kraft an den Felswänden des Eggentals fest, aus dem sie gegen ihren Willen vom Vater an den Beinen gewaltsam herausgerissen wird. Von wuterfüllter Expressivität strotzend ist dagegen jene, die Pichler seiner, wegen ihrer Taubstummheit dem NS-Euthanasieplan zum Opfer gefallenen Schwester gewidmet hat. Ein Ereignis, das der Mutter den Rest gegeben hat. Sie wurde nur 54 Jahre alt.
Öffnungszeiten: Di bis So von 10 bis 17 Uhr, im August bis 18 Uhr.
Südtiroler Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte Schloss Tirol
Schlossweg 24
I - 39019 Tirol
Tel.: +39/0473-220221 / info@schlosstirol.it


