Bücher

Martin Prinz
Der Räuber

Roman
136 Seiten, gebunden
e-book: 978-3-99027-118-6, € 7,99
Ein Bankräuber läuft davon, läuft und läuft, um in einem letzten Augenblick Freiheit zu erbeuten.

Rettenberger läuft Kilometer um Kilometer, aus der Stadt, über Felder. Hinter ihm wirbeln Blaulichter durch die Nacht, vor ihm dehnt sich die Landschaft. Da wird es leichter, er setzt nur noch die Fußspitzen auf, hebt gleichsam ab, fliegt seinen Verfolgern davon.
"Ich laufe davon, unentwegt kam dieser kaum hörbare Satz wieder, bei jedem neuen Schritt. Und dieses Reden versorgte ihn spürbar besser mit Luft, durchdrang leichter die Enge im Hals, diese Barriere seiner stummen Angst, und überspielte selbst die Hast in seinem Atmen."
Als "Pumpgun-Ronnie" wurde der Bankräuber, der bei den meisten seiner Überfälle eine Reagan Maske trug, Ende der achtziger Jahre berühmt. Fernsehen und Zeitungen berichteten in allen Ausgaben über seine Flucht, die er, der Marathonläufer, vier Tage lang überwiegend zu Fuß bestritt.
Martin Prinz, ebenfalls Läufer, hat ihn gekannt und zum Helden seines ersten Romans gemacht.

 

Martin Prinz zu seinem Buch

Am Start irgendeiner Laufveranstaltung, Mitte der achtziger Jahre.
In Melk, St. Pölten oder Amstetten. Von den Beinen der dichtgedrängten Läufer zieht sich der Geruch von Massageölen durch die Hauptstraße. Unruhig stehen die Schnellen in der ersten Startreihe. Die Ehrgeizigen drängen sich in der Reihe dahinter. Wenig ruhige Gesichter.
Zumeist befand ich mich damals schon unter den Ehrgeizigen. Meine 10-Kilometer-Bestzeit sank langsam unter die 40-Minuten-Grenze. Eine Zeit um 35 Minuten lag als Traumziel vor mir. Vermutlich bei mehr als einem dieser Stadtläufe fieberte ein damals achtundzwanzig, neunundzwanzig Jahre alter Mann gleichfalls dem Startschuß entgegen, weiter vorne als ich, fast unter den Siegern. Im Spätherbst 1988 sollte er sich plötzlich als Bankräuber mit der "Reagan"-Maske, "Pumpgun-Ronnie" entpuppen.
Als ich während der viertägigen Flucht, die er hauptsächlich zu Fuß bestritt, Bilder von ihm in der Zeitung sah, zweifelte ich nicht, daß mir dieses Gesicht vertraut war. Und mit ähnlicher Bestimmtheit kam mir acht, neun Jahre später, ich war mitten in meinem ersten Versuch, einen längeren Prosatext zu schreiben, die Idee, als nächstes die Geschichte dieses Bankräubers erzählen zu wollen. Einen Text über das gespannte Atemanhalten und die Hast. Eine Fluchtgeschichte, die keine moralischen Fragen an die Geschehnisse stellt, keine derartigen Antworten gibt, sondern eine Fallgeschichte von Bedrängungs- und Angstzuständen, wie sie den Alltag so vieler Menschen beherrschen.