Bücher

Claudia Schattach
Kann man deshalb schon von Liebe sprechen?

Roman
144 Seiten, gebunden
€ 16,80 / SFr 25,90, WG 1111
[978-3-902497-08-6]
Arbeiten Sie in einem Büro? Dann sollten Sie dieses Buch unbedingt lesen. Und wenn nicht, dann auch.

In Büros arbeiten Frauen und Männer; damit ist fast alles gesagt. Ergänzen ließe sich vielleicht noch, daß in den oberen Etagen eher Männer, in den Sekretariaten hingegen mehr Frauen zu finden sind. In dem Büro, in dem Kaltenbronner und Lea arbeiten, ist das nicht anders, es ist ein Büro, wie es unzählige gibt. Das Schicksal, das zwei Menschen trifft, ist freilich immer einzigartig.
Warum gabst du uns die tiefen Blicke, könnte man da wieder einmal fragen, aber warum auch immer: es gibt sie, man wirft sie einander zu, und ehe man noch weiß, ob es Liebe ist oder nicht, ist es passiert, das Ungeheuer-
liche. Dabei wehrt sich Lea nach Kräften, aber diese Kräfte lassen nach und nach eben nach, und Kaltenbronner, der Haltlose, bezwingt sie, denn die tiefen Blicke waren nicht die einzigen Untiefen, in die sich die beiden hier verloren. Es ist eine Katastrophe, aber was für eine.
Claudia Schattach erzählt diese Geschichte mit Witz, Schärfe und großer Spannung. Es ist eben eine Liebesgeschichte, und wäre es eine vollkommen ernste – aber wer weiß? –, man müßte sie schonungslos nennen.

 

Claudia Schattach zu ihrem Buch

Macht, Unterwerfung, Trieb, Leidenschaft, Liebe, Stolz – alte Themen, die heutzutage auf den Rang einer harmlosen Freizeitbeschäftigung in Form von Kino- oder Fernsehkonsum verwiesen werden, also aus der Sicherheit gepolsterter Sessel heraus goutiert werden. Das flächendeckende Downsizing von großen Gefühlen hat dazu geführt, dass diese Begriffe nur mehr leere Worthülsen von einst schicksalsschwerer Bedeutung sind. Aber vielleicht hat es das ja immer nur in Literatur und Kunst gegeben.

Jeder kann heutzutage angeblich alles erreichen, sofern er sich dem herrschenden Ideal unterwirft und sich darin übt, immer positiv, immer motiviert, ausgesprochen kommunikationsfähig und sauber bis in die letzte Herzfalte zu sein. Der Leidenschaft wird allein dann Berechtigung zugesprochen, wenn sie sich auf Arbeit und Karriere bezieht und Liebe, so habe ich mir sagen lassen, „wird überbewertet“. Wir leben wahrlich in einer romantischen und leidenschaftlichen Zeit! Der Geschlechterkampf hat den Charakter von Trockenübungen angenommen, die ächzend von Zeit zu Zeit verrichtet werden, um nicht ganz aus der Übung zu kommen. Und alle sind so nett. So nett. So schrecklich nett und vernünftig, dass man aus dem Gähnen nicht mehr herauskommt – ich übrigens auch. Da habe ich mir nun den Luxus erlaubt, meine Novelle mit Charakteren auszustatten, deren vernarbtes Wesen mitunter eine Finsternis umwölkt, die den heutzutage doch schon sehr abgehalfterten Teufel amüsieren dürfte. Denn ich liebe sie: Sprachspiele, Machtspiele, Spiele, die nicht immer gut ausgehen und bei denen oft ungeklärt bleibt, wer die Maus und wer die Katze ist.