Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Peter Handke
Zwei Männer schreiben einander Briefe: ein Grieche, Dimitri T. Analis, und der Syrer Adonis. Beide schreiben auf französisch, und beide leben überwiegend in Paris. Zwei Dichter, Anrainer des Mittelmeers und seiner Kulturen. Peter Handke hat sie zu dieser Korrespondenz bestärkt und sie übersetzt, so daß sie nun zum ersten Mal erscheint, auf deutsch.
Manche Bücher gleichen Muscheln. In dieses ist das Rauschen des Mittelmeers eingeschlossen.
Lothar Müller, Süddeutsche Zeitung
Adonis und Analis sprechen miteinander über das erbarmungslose Licht der südlichen Sonne, "unter der vom Glück oder vom Unglück zu reden auf dasselbe herauskommt", über die Städte des Mittelmeers, "deren Mängel auch ihre Vorzüge sind: Gewinnsucht, Arroganz, Oberflächlichkeit, aber auch Duldsamkeit und unbegrenzte Lebenskapazität", über die langsamen Völker dieses Meeres, "denen die Vergangenheit beigebracht hatte, daß nicht schnell zu gehen hieß, dieselbe Richtung zu nehmen wie die Zeit", über die Poesie, die aufsprudelt "in Momenten der absoluten Einsamkeit, "nicht weil man ohne Geliebte und Freunde wäre, man ist bloß außerstande, sich zu bekennen oder sich über etwas zu beklagen".
Spiros Moskovou, TO ALLO VIMA
Die fehlenden Stellen seien es, die uns ausmachen, schreibt Analis, und umspielt damit gerade jene mangelhaft ausgeleuchteten Bereiche der Seele, die sich beständig dem Wissen entziehen; diese Lücken sind es, die den beiden Mittelmeerstämmigen als unverstellte Leinwände dienen, als weiße Flächen, mit denen sie für Augenblicke eine zumöblierte Welt überwinden können, ohne sich über sie zu erheben. Leise im Grunde, still, mit nichts anderem als Wörtern – den einfachsten Brücken zum Licht.
Marica Bodrozic, Frankfurter Rundschau
Es gibt Bücher, die wirken nach, lassen einen nicht los, lösen etwas aus. Der kleine Band "Unter dem Licht der Zeit" ist so ein Buch. (...)
Es sind die Zeremonien des Verschwindens und Vorübergehens, die diesem Briefwechsel eingeschrieben sind. Doch es ist nichts von schrillen Klagen oder aufgesetzter Schwere in den Worten dieser beiden Lyriker, dafür eine beeindruckende Stille und Klarheit.
Stefan Gmünder, Der Standard