Literatur

Bernhard Fetz (Hrsg.)
Österreichs Eigensinn

Eine Bibliothek
Band I: Adalbert Stifter, Nachkommenschaften
Band II: Ernst Jandl, der beschriftete sessel

An Versuchen, die österreichische Literatur in kanonisierter Form zu publizieren, hat es in den vergangenen Jahrzehnten nicht gemangelt. Von der Österreichischen Bibliothek, die Hugo von Hofmannsthal während des Ersten Weltkriegs im Insel-Verlag herausgegeben hat, über das gleichnamige Projekt des Residenz Verlages aus den neunziger Jahren bis zum Austrokoffer reichen die Unternehmungen, die immer auch unbehagliche Fragen aufwerfen: Wer kommt hinein, wer bleibt draußen? Welche Autoren, welche Werke? Das Projekt des Jung und Jung Verlags will einen anderen Weg gehen. Was sich da nach und nach zu einer Reihe formt, soll auf subtile und doppelbödige Weise österreichisch sein. Es ist kein Kanon von Hauptwerken, die ohnehin überall zu haben sind, sondern eine Bibliothek noch einmal neu zu entdeckender Bücher und Schriftsteller. Das schließt Berühmtheiten nicht aus. Adalbert Stifter, Karl Kraus, Arthur Schnitzler, Robert Musil, Joseph Roth, Ernst Jandl und H. C. Artmann werden ebenso dabei sein wie Ernst Herbeck, Marie von Ebner-Eschenbach, Felix Salten, Robert Neumann, Hermann Ungar oder Walter Serner. Es ist eine Bibliothek des neuen Sehens und des neuen Schreibens. Vergessene Avantgarden von einst werden neben Experimenten von heute stehen, literarische k.u.k-Topographien neben den Projektionsräumen österreichischer Science Fiction. Anthologien zu speziellen Themen sollen quer durch die Zeiten und Schreibweisen führen. Wenn es einen österreichischen Eigensinn gibt (und wir behaupten, es gibt ihn!), dann soll er in dieser Reihe erkennbar werden.

Unter der Gesamtleitung von Bernhard Fetz, dem Direktor des Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek, werden prominente Schriftsteller, Essayisten und Literaturwissenschaftler die Herausgabe der einzelnen Bände übernehmen. Pro Saison sind ein bis zwei Bände der Bibliothek geplant.

Als Titel sind unter anderem vorgesehen: Franz Grillparzer Selbstbiographie, Walter Serner Letzte Lockerung, Robert Müller Tropen, Hermann Ungar Die Verstümmelten, Oswald Wiener Die Verbesserung von Mitteleuropa, Franz Michael Felder Aus meinem Leben, Ferenc Molnár Die Jungen von der Paulstraße, Rosa Mayreder Zur Kritik der Weiblichkeit, Albert Ehrenstein Tubutsch, Karl Emil Franzos Halb-Asien, Felix Salten Neue Menschen auf alter Erde und Karl Kraus Letzte Tage der Menschheit.