Literatur

Xaver Bayer
Heute könnte ein glücklicher Tag sein

Roman
nur als ebook ab 15.7.2013 lieferbar,
ebook: 978-3-99027-108-7 € 7,99

nur direkt ab Verlag
Der Held des Buches ist kein solcher. Zwar lehnt er mitunter als Pose an Häuserwänden, nahezu unberührt, wie im Auge eines Sturms, oder er zündet sich zum richtigen Zeitpunkt bei passender Musik eine Zigarette an, aber er ist ein unsichtbarer, unfähiger Held, eine Art Denkmal aus Rauch, Gold und Leere. Und er ist so etwas wie ein pervertierter Engel. Er hat keine Botschaft mehr zu verkünden, sondern er nimmt Botschaften nur noch auf, immer mehr, ohne daß solche darunter sind, die ihm sagen, wie er ihre Überzahl bewältigen soll.
Er ist der, der im Selbstgespräch nicht das letzte Wort behalten will.

Er ist Anfang zwanzig. Niemand soll sagen, daß das die schönste Zeit im Leben ist. Die Tage verlaufen in zäher Gleichförmigkeit. Aber warum fällt ihm auch nichts anderes ein, als in Lokale zu gehen, die gerade angesagt sind, sich durch die Stadt treiben zu lassen und auf die Einladung zur nächsten Vernissage zu warten? Einzig die Musik öffnet Freiräume, manchmal zumindest. Sonst sind die Tage von gleichsam rituellen Abläufen geprägt. Er stellt sich eine Zählmaschine vor, die bei jeder Handlung, bei jedem Musikstück, bei jedem Weg anzeigt, das wievielte Mal es gerade ist - und nach 9999 springt sie wieder auf Null.
Er nimmt Posen ein: Stilisierung ist eine Möglichkeit, unbestimmte Trauer eine andere. Doch sie überdecken den Riß in diesem Leben, dem jedes Zeichen äußerer Tragik fehlt, nicht lange. "Heute könnte ein glücklicher Tag sein" bleibt als letzte, durch Zynismus getarnte Hoffnung des Protagonisten einer Generation, für die, wie es einmal hieß, Krieg leichter zu ertragen ist als ein Montagmorgen.