Literatur

Sherko Fatah
Im Grenzland

Roman
224 Seiten, gebunden, vergriffen
[978-3-902144-01-0]


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An der Grenze quer durch Kurdistan. Das glänzende Debut eines jungen deutschen Schriftstellers

Hügel in der Ferne, lehmfarben, und ein leerer Raubvogelhimmel darüber - das ist das Land, in dem sich der Schmuggler bewegt. Der Weg zu den begehrten Waren, Whisky, Zigaretten und Computer, führt durch ein Minenfeld. Langsam, behutsam legt er ihn zurück, untersucht jedes Grasbüschel, damit er auf keinen Sprengkörper tritt. Doch das ist nicht die einzige Gefahr, der er ausgesetzt ist: Grenzposten muß er passieren, vor Soldaten auf der Hut sein und zugleich vor Dieben, die es auf seine Geldbündel abgesehen haben. Das Lesen der Landschaft, das Achten auf jedes Zeichen der Veränderung - Rauch, der aus unbewohnten Hütten aufsteigt, frische Reifenspuren - wird so zur Frage des Überlebens.
Die Innere Sicherheit gibt dem Schmuggler zu verstehen, daß sie seine Schleichwege kenne, gerade noch dulde, aber seinen dreizehnjährigen Sohn beobachte, der sich mit "Irregeleiteten und Aufrührern" eingelassen habe, die "politische Beziehungen zum Ausland" pflegten. Der Schmuggler versucht seinen Sohn zu warnen, doch der bleibt kompromißlos. Und so werden Vater und Sohn schließlich füreinander haftbar gemacht.
In diesen Roman sind viele kleine Geschichten verwoben: Erzählungen vom Krieg in der Wüste, von den Menschen, die mit allen Mitteln versuchen, den Frieden zu überleben, von Willkür, Folter, aber auch von der Dehnung der Zeit, die wir mit diesem Teil der Welt assoziieren. Östliches und westliches Denken, Erleben, Sprechen treffen in diesem Debüt so überzeugend aufeinander, daß die subtile Spannung bis zum letzten Satz anhält.

Sherko Fatah zu "Im Grenzland"
"Ich lebe in Deutschland und habe dieses Buch in deutscher Sprache geschrieben. Die von mir dargestellte Landschaft ist also nicht meine Heimat. Mein Vater stammt aus dem nördlichen Teil des Irak. Zur Verbesserung meines touristischen Blicks trugen Kindheitserinnerungen, spätere Reiseerlebnisse und, was die Kriegsgeschehnisse betrifft, Erzählungen von Familienmitgliedern bei. Dennoch galt es für mich, als Erzähler Distanz zu wahren, das heißt keine Nähe vorzugaukeln, welche in diesem Roman, auch wenn er in vielem auf Tatsachen beruht, nicht im Zentrum des Interesses steht. Um den gewiß immer großen Bedarf an Folklore zu decken, sind, wie ich meine, viele Bücher besser geeignet. Eine vielleicht universale Fremdheit zum Ausdruck zu bringen, ist demgegenüber ein ganz anderes Projekt. Ich will es einfach sagen: Es wird wohl selbst dem geneigten Leser nicht ganz leicht fallen, in diese fremde und fremd belassene Welt hineinzufinden, fände er aber ebenso schwer heraus, hätte ich mein Ziel erreicht."