Literatur

Elfriede Kern
Schwarze Lämmer

Roman
180 Seiten, gebunden
Nicht mehr lieferbbar
[978-3-902144-11-9]
Ein seltsamer Roman um Opferkulte und den sadiatischen Machtkampf zweier Geschwister.

Ada macht ihrem Bruder schwer zu schaffen. Seit dem Tod der Mutter versucht sie, sein Leben in ihren Griff zu bringen. Doch alle Drohungen nützen nichts. Arthur streift weiterhin ungerührt durch die Stadt und den angrenzenden Wald, ziellos, planlos. Da entdeckt er eines Tages ein unheimliches Arrangement auf einer Lichtung: weißgebleichte Knochen auf einem schwarzen Tuch, sichtlich nach einem genauen Plan ausgelegt. Seine Neugier ist geweckt, er pirscht sich an.
Gewarnt ist er worden, wiederholt sogar, denn es hat sich herumgesprochen, daß Maja, eine Nachfahrin der mächtigen Zauberin Hekate, beim nächsten Vollmond ihr jährliches Opferfest feiert. Und bald ahnen alle außer Arthur, daß ihm dabei eine zentrale Rolle zugedacht ist.
Ob er der größte Tölpel ist, den die Welt je gesehen hat, oder, im Gegenteil, besonders ausgefuchst, wird lange nicht klar. Zielstrebig stolpert er Schritt für Schritt dem Abgrund zu - und reißt einige Menschen mit, nicht alle aus (reiner?, gespielter?) Naivität: die Gelegenheit für eine Abrechnung mit seiner Schwester ist günstig, und sie fällt perfide aus.
Mit Präzision, aber durchaus lustvoll entwirft Elfriede Kern eine Welt, die von Elementen alter und neuer Opferkulte durchzogen ist. Anklänge an Gothic Novel und Horror-Genre fehlen nicht; mit ihm verbindet Kern das fast schon voyeuristische Interesse an Grenzüberschreitungen aller Art.

 

Elfriede Kern zu ihrem Buch

"Ich habe das Buch aufgeschlagen und unverzüglich zu lesen begonnen, und dann war da auf Seite 1011 dieser Satz von den jungen Hunden, den schwarzen Lämmern und dem Honig, ich habe noch eine Weile weitergelesen, dann das Buch aber sinken lassen und bin eine Weile einfach so dagesessen, woran ich gedacht habe, weiß ich nicht mehr, sage ich, dann habe ich den Satz nochmals gelesen, 'man opferte ihr junge Hunde, schwarze Lämmer und Honig', ich habe die Seite nochmals und dann die Seiten davor und danach wieder und wieder gelesen, Hekate hab ich gelesen, eine Gottheit der Nacht und der Unterwelt, eine Gottheit der Frauen, nach anderen Quellen die Göttin der Wegkreuzungen, die Beschützerin aller Zauberinnen und Zauberer, der man einmal im Jahr, nach anderen Quellen einmal im Monat, Opfer darbringen mußte und zwar ausschließlich junge Hunde, schwarze Lämmer und Honig, der ein Buch darüber geschrieben hat, starb 1976, sage ich, kennt jemand das Buch, kennt jemand den Autor, kennt jemand Pierre-Jean Jouve?"