Literatur

Elfriede Kern
Tabula rasa

Erzählungen
156 Seiten, gebunden
€ 19,- / Sfr 29,50, WG 1112
[978-3-902144-61-4]
Ausgeliefert und doch souverän sind die Frauen, von denen hier erzählt wird. Wären Sie auch gern so eine? Sie sind es längst.

Ruth verfolgt einen Plan: sie trainiert Blanka, deren Karriere als Artistin durch jäh einsetzenden Sekundenschlaf endete, für ein glanzvolles Comeback. Dafür haben sich die beiden Frauen in eine Hütte zurückgezogen; abgeschieden liegt sie, hinter einem weiten Schneefeld. Doch sie bleiben nicht ungestört: aus dem angrenzenden Wald schleicht nachts ein Tier heran und schabt sich an der Hauswand, Männer aus dem Dorf machen sich auf den Weg, dringen regelrecht in die Einsamkeit ein, was die Frauen ohne nennenswerten Widerstand hinnehmen. Zu sehr sind sie mit sich beschäftigt, den einmal direkten, einmal sublimen Mechanismen von Unterdrückung und Unterwerfung. Erst als die Bedrohung von außen übermächtig wird, versuchen sie zu entkommen.
Elfriede Kerns Figuren agieren in dieser wie in den anderen drei Erzählungen traumwandlerisch, einer strengen Logik von Macht und Kontrolle, aber auch Selbstbefreiung folgend, deren Grund ihnen jedoch entzogen ist. Und wie im Traum tauchen Symbole auf, wollen sich schon sinnhaft fügen, löschen einander aber letztlich wieder aus. Irritierend schillert diese Welt, bedrohlich, rätselhaft und sehr, sehr anziehend.