Autoren

Hermann Broch

1886 in Wien in eine assimilierte jüdische Kaufmannsfamilie geboren. Bis zum Verkauf 1927 leitete er die väterliche Textilfabrik in Teesdorf / Niederösterreich und betrieb ausgedehnte Studien in Mathematik, Philosophie und Psychologie. Bereits als Unternehmer schrieb Broch literarische und kulturphilosophische Texte. 1938 wurde er durch die Gestapo verhaftet und in Bad Aussee interniert. Mit Unterstützung von James Joyce konnte Broch über England in die USA emigrieren. Er starb 1951 in New Haven.


Der Herausgeber, Bernhard Fetz, geboren 1963 in Höchst, Direktor des Literaturarchivs, des Literaturmuseums, der Sammlung für Plansprachen und des Esperantomuseums der Österreichischen Nationalbibliothek; Dozent am Institut für Germanistik der Universität Wien; Ausstellungskurator und Literaturkritiker. Herausgeber der Reihe Österreichs Eigensinn. Eine Bibliothek. (Salzburg 2012 ff). Zahlreiche Monographien und Aufsätze vor allem zur Literatur und Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts.



Aktuell im Verlag

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Bernhard Fetz ca. 300 Seiten, Leinen mit SU, Leseband ca. € 24,–, WG 1111, Im Abonnement: € 22,20 [978-3-99027-013-4], Erstverkaufstag: 2. 3. 2018
Esch oder die Anarchie
»Ich hatte Gambetti fünf Bücher gegeben … und ihm aufgetragen, diese fünf Bücher auf das aufmerksamste und mit der in seinem Falle gebotenen Langsamkeit zu studieren: Siebenkäs von Jean Paul, Der Prozeß von Franz Kafka, Amras von Thomas Bernhard, Die Portugiesin von Musil, Esch oder die Anarchie von Broch …« aus: Thomas Bernhard, Auslöschung

Hermann Brochs Epochen-Roman »Esch oder die Anarchie« ist Teil seiner großen »Schlafwandler«-Trilogie, entstanden zwischen 1928 und 1931. Sie legt in drei Epochenschnitten – 1888, 1903 und 1918 – die ökonomischen, geistigen, sozialen und mentalen Bedingungen frei, die zu den Katastrophen des 20. Jahrhunderts führten. Der zentrale Mittelteil der Trilogie spielt im Jahr 1903: Der Buchhalter August Esch ist ein Träumer mit Mordphantasien, ein Erlösungsrhetoriker ohne Glaubensgewissheit und ein gewalttätiger Liebhaber mit sentimentalen Neigungen. Sein Bestreben im eigenen Leben Ordnung zu machen, scheitert an einer Welt, die ihm keinen Halt mehr bietet. Das macht Esch zu einer tragikomischen Don Quijote-Figur. Seine Revolte nimmt ihren Ausgang von sehr irdischen Verhältnissen, gewinnt aber zusehends eschatologische und märtyrerhafte Dimensionen.

Satire und hellsichtige Zeitanalyse sind in »Esch oder die Anarchie« Teil einer vielschichtigen Erzählung; Brochs Roman gehört zu den großen Leistungen der literarischen Moderne.