Autoren

Ron Winkler Hrsg.

Geboren 1973, lebt derzeit freier Schriftsteller in Berlin.

Studium von Germanistik und Geschichte in Jena. Tätigkeiten als Redakteur und Lektor.

Auszeichnungen 
Leonce-und-Lena-Preis 2005
Mondseer Lyrikpreis 2006



Aktuell im Verlag

232 Seiten, Englische Broschur € 22,- / Sfr 33,90, WG 1151 [978-3-902497-20-8]
Schwerkraft
19 amerikanische Lyriker, übersetzt von deutschen Generationskollegen: eine Sensation, und keine kleine.

Aus dem Amerikanischen von Ron Winkler u. a.

Ein Buch, auf das man sich freuen darf: Acht junge deutsche Lyriker haben mehr als die doppelte Anzahl US-amerikanischer Generationskollegen ausgewählt und deren Gedichte in ihre Sprache herübergeholt. Nach Acid und Silverscreen jetzt die ganze Schwerkraft.
»Was ist also mit den aktuellen Gipfelstürmern, Sterngründern, Transzendenzjongleuren der so viele Standards setzenden Supermacht? Dies zu beantworten, öffnet diese Anthologie ihre Seiten für einige der auffälligsten jüngeren Dichter. Neunzehn Stimmen, die uns auf verschiedene Weise Impulse herüberfunken aus einer äußerst regen und vielfältigen Szene.
So finden wir Gedichte im Kleid postmoderner Launenhaftigkeit neben Texten, in denen die Beatlyrik nachwippt; pointierte kleine Sets genauso wie stoffsatte Mittelstreckenballaden und myriadische Meditationen. Gewächse mit seltsamen Trieben: unverstellt bissige oder narrative Texte, hingebungsvoll überdrehte Stories neben eigenwilligen Bulletins aus der Epoche des eigenen Ichs. Abgefahren, sexy, unverkrampft. Und von einer erstaunlich vielfältigen Virtuosität.«

 

Ron Winkler zu seinem Buch 
  

Die Autoren: Craig Arnold, Matt Cook, Timothy Donnelly, Christopher Edgar, Nick Flynn, Arielle Greenberg, Matthea Harvey, Christian Hawkey, Christine Hume, Major Jackson, Jennifer L. Knox, Sarah Manguso, Jeffrey McDaniel, Srikanth Reddy, Tessa Rumsey, Spencer Short, Eleni Sikelianos, Juliana Spahr und Kevin Young
Die Übersetzer: Nicolai Kobus, Steffen Popp, Monika Rinck, Jan Volker Röhnert, Sabine Scho, Jan Wagner, Ron Winkler und Uljana Wolf


Warum diese Anthologie?

Wegen der Energien der Texte, der innovierenden sprachlichen Kraft, dem Überschäumenden, dem das allzu Profane überschäumen Lassen gepaart mit Leichtheit, Ungezwungenheit.
Wegen der Poetiken, die phantasiereich und zugleich sehr in der Wirklichkeit geerdet sind.
Dieses Buch ist keine demonstrative Akte nach Gutsherrenart, des definitiv Erlauchten.
Nie war die Anthologie als Nonplusultra der dichtenden Elite Amerikas gedacht. – Aber sie kann es sein.
Anstelle einer Vorschrift für deutschsprachige Leser ist sie die Einladung zum Kennenlernen, zu umfassenderer und vielleicht umfassender Hingabe.
Als Jochen Jung, der Verleger, die Texte in Händen hielt, schrieb er begeistert lakonisch: Es passiert gerade in der Lyrik. Das trifft sich ziemlich sehr mit Einschätzungen über die Progressivität der Lyrik auch hierzulande, gerade bei jüngeren Generationen. Insofern ist die wenn auch grau gekleidete SCHWERKRAFT ein illustrer naher Verwandter jener Poesie, die derzeit in der deutschen Sprache ihre Bahnen zieht. Hier wie dort finden wir Stimmen, die die literarische Sprache nach dem Verebben gegenläufiger Dogmen – kurz umrissen als die das Zeichen vergötzende Avantgarde versus Parlandolyrik – neu abmischen, das lange Zeit scheinbar Gegensätzliche aufregend neu zusammenführen. Als best of both worlds sozusagen.
Man ist sich der Narrenfreiheit der Lyrik als momentan medial abseitigen Genre sehr bewusst. Man präsentiert seine Kunst weder vor noch hinter dem Vorhang, sondern schreibt direkt dort, wo der Vorhang ist. Man vermittelt seine Erkenntnisse über unsere Gegenwart, ihren Status und ihre mentalen Zurichtungen, nicht durch Geschichten, sondern irgendwie unter dem Geschichtenerzählen hindurch.
Viele der Gedichte wirken in ihrer flamboyanten Verrücktheit wie der einzig mögliche Ausdruck von Wahrheit. Nur selten ergeben die Verfrickeltheiten dieser Dichter hermetisches Klingeln. Es ist oftmals eine Poesie, die die intellektuelle Anspannung mit dem Entertainment durch Humor, Musikalität oder Verstiegenheit verbindet.
Eine Poesie, die wieder einmal das E mit dem U aussöhnt.
Die Anthologie sollte nie eine Arche sein, die unter dem Verdikt von pc-ness und paritätischer Auffüllung Lyrik von Farbigen, von Schwulen, Cowboys, Native Americans, Language-Dichtern, Slam-Poeten, spoken-word-Puristen, Spät-Beatniks, Mystikern oder Neo-Intimlyrikanern gleichermaßen repräsentiert. Nix da von sauber geplanter Austarierung zwischen akademisch-zerebraler und untergrundig-garstiger Lyrik, zwischen East und West Coast, Hawaii, Las Vegas und Alaska. Ob jemand wie Woyzeck seine Erbsen brav seinen Creative-Writing-workshop absolviert hat, war egal. Die Dosierung ergab sich aus den Geschmacksvorlieben, und sie enthält durchaus viele der eben genannten Ingredienzien. Auch war mir nicht wichtig filigran vorzuführen, von welchen Whitmans und Celans, Dickinsons und Anne Carsons diese Dichter abstammen, sondern wo sich Stimmen und Stimmungen heutzutage wie befinden.
Eine Dichtung, in der Witz höchste Verzweiflung anzeigen kann und andererseits frostige Aussagen Teil eines spottsüchtigen Spiel sein mögen.
Eine Literatur, die den sehr agilen Status der Phantasienzone Poesie vermittelt.
Eine Lyrik, die uns Amerika und dessen Amerikanität zeigt – seine Mentalitäten, Moden, Ansprüche, Träume, Plüschseiten und ganz alltäglichen Talsohlen.
Und deren intellektuellen und sinnlichen Wahrnehmungen noch darüber hinausgehen.