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Florjan Lipuš

Schotter

Der Schotter, den Florjan Lipuš hier beschwört, bedeckt die ansonsten leere Fläche zwischen den Baracken eines Frauenkonzentrationslagers. Es könnte das KZ Ravensbrück sein, wo seine Mutter ermordet wurde, nachdem sie als Partisanen verkleidete Gestapo-Männer bewirtet hatte. Es könnte aber auch jedes andere sein, wo die aussortierten, ausgemergelten Frauen Stunde um Stunde ihres schwindenden Lebens Appell stehen. Jahre später stehen hier die »Gedächtnisgeher«, »Ausflügler « nachfolgender Generationen auf der Suche nach etwas, von dem es kaum noch Spuren gibt, in der Hoffnung, dass sich ihnen etwas offenbart. Die unbekannte Großmutter etwa: Sollen die Enkelkinder, die ihr die schön gewachsenen Körper verdanken, sie duzen oder siezen? Doch die Großmutter erscheint ihnen nicht, alles, was sie finden, ist Schotter. Und im Dorf, in das sie zurückkehren, begegnet man ihnen mit Misstrauen und Schweigen.
Erscheinungsjahr: 2019

aus dem Slowenischen von Johann Strutz

140 Seiten, gebunden

WG: 1111
ISBN: [978-3-99027-229-9]

Preis: € 20,-

Autor:
Florjan Lipuš

Autor: Florjan Lipuš

Er veröffentlicht auf Slowenisch Romane, Prosa, Essays, szenische Texte. Mehrere seiner Bücher erschienen in deutscher Übersetzung.

Pressestimmen

Ein Autor, der mit seinen Sätzen die Kerker des Nichtgesagten zu spalten vermag. Und zwar in einer wuchtigen und stellenweise spinnwebenfeinen Prosa, die ihre Monumentalkraft auf kleinstem Raum, in kurzen Sätzen mit maximalem Lebens- und Sprachinhalt entwickelt. […] Diese Verdichtung, in der sich Vergangenes mit Gegenwärtigem, Unausgesprochenes mit Gesagtem, Lagertod mit Dorfleben und Erdachtes mit Passiertem amalgamiert, macht das Buch zu einem intensiven und verstörenden Leseerlebnis.
Stefan Gmünder, Der Standard
„Schotter“ ist eine bewegende und deprimierende Lebensbilanz. […] Der politische Kampf mag verloren sein, ästhetisch jedoch hat Lipuš gewonnen: Seine literarischen Werke, seit Jahren von Johann Strutz knorrig eigenwillig übersetzt, bewahren auf eindrucksvolle Weise die abweichende partikulare Erinnerung. […] Bestürzend ist das Buch immer, wenn es nicht verallgemeinert. Wenn es die Welt des Lagers im Schotter und die des Dorfes im Glockenläuten erfasst, in der vom langen Stehen schmerzenden Wirbelsäule und im ungerührten Aus-dem-Fenster-Schauen, der Kuh hinterher oder der von Gendarmen verhafteten Nachbarin.
Jörg Plath, Ö1 Ex libris

Florjan Lipuš’ Meisterwerk "Schotter" […] ist Mahnmal, Erinnerungskunst, Klageepos, schwebende Poesie – ein Buch, das viele Bücher ist.

Wolfgang Paterno, Profil
Es ist die auf knappe 140 Seiten verdichtete Essenz des Denkens und Schaffens eines an seelischen Narben reichen Autors. […] Lipuš rechnet mit allem und jedem ab. […] Man liest’s wie versteinert.
Werner Krause, Kleine Zeitung
Was bleibt, ist eine Sprachlosigkeit der Seele. Vielleicht auch Dankbarkeit, dass es solche Autoren gibt.
Helmut Atteneder, Oberösterreichische Nachrichten

Ein leises Buch von großer Wucht.

Wolfgang Huber-Lang, APA
Der strenge, melodische Duktus der Sprache nimmt einen unversehens gefangen. Viele Bilder sind von bestürzender Klarheit und Kraft.
Ulrike Matzer, Apropos
Ein poetisches Klagelied, eine bittere Lebensbilanz, ein meisterliches Stück Literatur. […] Zitieren möchte man aus jeder der knapp 140 Seiten, denn jede liest sich in ihrer archaischen Wucht und Unbedingtheit wie ein sprachliches Destillat, das sich gleichsam nur in kleinen Dosen aufnehmen lässt.
Alexander Musik, hotlistblog

Ein unstetes Wetterleuchten, das einen hochpoetischen, behutsamen Text hervorbringt. Glänzend übersetzt von Johann Strutz.

Timo Schlench, @literaturpalast
In atemberaubender Prosa ergründet Lipuš die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eines Dorfes, die untrennbar zusammenhängen. […] Mit "Schotter" legt Lipuš einen atmosphärisch hochaufgeladenen Text vor, […] ein schmales Buch von großer Sprengkraft.
Sebastian Fasthuber, Falter
"Schotter" ist von einer ungeheuren Dichte […], ist sprachgewaltige, aus Notwehr geborene Literatur.
Ulrich Rüdenauer, Badische Zeitung
Radikale Literatur […], verstörende Sprachmächtigkeit.
Günter Kaindlstorfer, BR2 Diwan
In diesem Text ist kein Wort zu viel, keines zu wenig, präzise werden darin auf das Wesentliche entschlackte Sprachbilder zu einem Text gesetzt. „Schotter“ ist eine zutiefst ernsthafte literarische Versuchanordnung, die durchdrungen ist von der Vorstellung, dass es an der Literatur ist, Menschlichkeit und Greechtigkeit herzustellen, wo die Welt und ihr Personal versagen.
Katja Gasser, Literatur und Kritik